Mein Benzodiazepinentzug

In diesem Beitrag schildere ich euch meine Erfahrungen bei meinem Benzodiazepinentzug. Ich habe lange Zeit Tavor (Lorazepam ) und Valium (Diazepam) genommen.

Mein Benzodiazepinentzug

Die Anfänge
Als meine Angst und Zwangsstörung anfing, schlug kein Antidepressiva wirklich richtig an. Auch andere Medikamente halfen mir nicht wirklich. In der Klinik bekam ich Tavor (Lorazepam) als Notfallmedikament. Das war das einzige Medikament was mir Anfangs gegen meine Angst und Panik wirklich half. Ich wurde zwar darüber aufgeklärt, das diese Medikamente innerhalb von 6 Wochen abhängig machen können, aber mir war um ehrlich zu sein jedes Mittel Recht um meine Panik zu beseitigen. Später nahm ich Ambulant weiter Tavor (Lorazepam) ein und so schlitterte ich leider langsam in meine Sucht. Im Nachhinein Betrachtet wollte ich wahrscheinlich nur irgendwie funktionieren.

Die ersten Entzugsversuche

Ich machte also meinen ersten Entzugsversuch in der Klinik, weil man einen Benzodiazepinentzug nicht ambulant machen kann. Das ist aufgrund der Gefahr von Krampfanfällen so. Ich nahm circa 1 MG Tavor (Lorazepam) am Tag, das wurde dann in Diazepam umgerechnet, weil man beim Entzug ein Benzodiazepine benutzt was eine lange Halbwertzeit hat.

1 MG Tavor (Lorazepam) entsprechen 10 MG Diazepam was 20 Tropfen entspricht.

Ein Umrechnungstabelle für Benzodiazepine findet ihr übrigens hier:

Tabelle zum Umrechnen

Man hat bei mir am Tag ungefähr 1 – 3 Tropfen am Tag reduziert. Die ersten Tropfen merkte ich kaum bis gar nicht. Richtig los ging es so aber der Anzahl von 8 Tropfen. Ich hatte folgende Entzugssymptome:

  • Angst ( Panik)
  • Depressionen
  • Gereiztheit
  • Depersonalisation
  • Reizüberflutung

Als ich ungefähr bei 5 Tropfen war hab ich es nicht mehr ausgehalten und ich habe die Klinik auf meinen Wunsch hin verlassen. Die Geschichte und der Teufelskreis wiederholten sich noch zweimal. Jedes mal war es die furchtbare Angst und Panik beim Entzug, die ich einfach nicht ausgehalten habe. Das Problem war das ich zu der Entzugsbaustelle auch noch die Baustelle meiner eigentlichen Erkrankung hatte, was die Sache nicht einfach gemacht hat. Ich konnte nicht mehr Unterscheiden was sind Symptome meiner Erkrankung und was Symptome meines Entzuges.

Der letzte erfolgreiche Entzugsversuch

Nach meinen 3 erfolglosen Entzügen hatte ich das Thema so ein wenig aufgegeben. Ich habe mir gedacht, dann muss ich eben mit 10 MG Diazepam leben. Ich hatte die Dosis auch nie gesteigert. ich hatte wahrscheinlich eine sogenannte „Niedrig Dosis Abhängigkeit“. Irgendwann passierte dann das Wunder, dass es mir aufgrund eine Therapie und eine veränderten Psychopharmaka Therapie wieder besser ging. Und ein Arzt im Krankenhaus motivierte mich es noch einmal mit den Benzodiazepinen zu versuchen.

Also startete ich meinen letzten versuch und die Entzugssymptome waren wieder die Hölle. Diese Angst und Panik wünsche ich keinem. Man sagt nicht umsonst das der Benzodiazepinentzug der härteste überhaupt ist. Aber dieses mal schaffte ich es bis auf 0 Tropfen. Aber damit war das Thema noch nicht vorbei. Drei bis Vier Wochen danach hatte ich noch weitere Entzugssymptome die von Tag zu Tag weniger wurden. Das liegt daran das sich Diazepam im Fettgewebe abspeichert. Wenn ihr mich fragt empfehle ich jedem erst seine anderen Baustellen zu erledigen, bevor man sich an den Benzodiazepinentzug gibt.

Heute bin ich froh nicht mehr Benzodiazepine zu nehmen. Sie helfen zwar ausgezeichnet gegen die Angst und Panik, aber sie vernebeln auch die schönen Gefühle im Leben

Ich würde den Entzug auch wenn er schwierig war jederzeit wieder machen.

 

Was sind eure Erfahrungen mit dem Benzodiazepine Entzug?

siehe auch:

Was ist Diazepam (Valium) ?

Was sind eigentlich Benzos ?

Tabelle zur Umrechnung von Benzodiazepinen